Pfr. Dr. F. Haarhaus (Pfarrer i. R.)

Jesus.
Die Romanbiografie, 2012, Benno-Verlag, Leipzig – Friedrich Haarhaus, Pfarrer i.R.
Warum in einem katholischen Verlag? – Nach meiner Pensionierung 1992 war ich 13 Jahre Herausgeber und Redakteur der vierteljährlichen Arbeitsmappe “Bausteine Altenarbeit” im Bergmoser & Höller Verlag, Aachen. Ich hatte viel mit Verlagen zu tun. Für meine Veröffentlichungen wählte ich Verlage (auch Echter, Würzburg), mit denen ich gut zurechtkam.
Warum eine “Romanbiografie”? – Romanhaftes erlaubt mir schriftstellerische Freiheit. Eine Grenze sehe ich vor einer zu weit gehenden Vermenschlichung Jesu:
Gehe ich an dem öffentlichen Wirken Jesu entlang, sehe ich einen Abschnitt, in dem er “Von vielen bewundert” ungestört wirkte. – Sein Besuch in Nazareth markiert die Wende zu dem Abschnitt “Unter strenger Beobachtung“ von Pharisäern und Schriftgelehrten. Um sie abzuschütteln, wechselte er oft seinen Standort, überschritt er Grenzen, nach Philippi, nach Samarien, nach Tyrus und Sidon, heilte er weniger öffentlich und gebot den Geheilten über ihre Heilung zu schweigen. – Der Abschnitt “Hinauf nach Jerusalem” berichtet, wie man ihn mit Fragen zu fangen versuchte, um ihn vor Gericht stellen. Er aber war seinen Gegnern durch seine Göttlichkeit (oder Gottverbundenheit) überlegen. Das machte sie noch verbissener.
Meine Beobachtungen als Kind im III. Reich haben sich in der Wiedergabe der Speisung der 5.000 (19. Kapitel) niedergeschlagen (Verirrung und Verwirrung der Masse durch Selbsthypnose, Wahnvorstellungen, fehlenden Glaubenshalt).
Die nach der wunderbaren Speisung von Jesus Abgefallenen, doch danach als Bewunderer zu ihm Zurückgekehrten weichen in Reaktion auf die Bergpredigt (21. Kapitel) Schritt für Schritt von ihm ab. Aufgefangen werden die Übriggebliebenen einzig von der Zusage “Bei Gott sind alle Dinge möglich”.
Die Geschichte vom Hauptmann zu Kapernaum (22. Kapitel) ist eine menschlich unvorstellbare Veranschaulichung der Bergpredigt: Wo hat jemals ein Christ uneigennützig für Moslems eine Moschee oder umgekehrt ein Moslem für Christen eine Kirche gebaut!
Seinen Jüngern, die seinen schweren Gang nach Jerusalem mit einem Marsch auf Jerusalem verwechselten, stellt Jesus durch die Heilung des blinden, aber keineswegs verblendeten Bartimäus in Jericho einen Richtungsweiser auf (36. Kapitel).
Der Geheimrat des Hohenpriesters (45. Kapitel) ist unbiblisch, aber denkbar. Er sagt u.a.:
– Geschieht nach Jesu Einzug in Jerusalem und der Tempelreinigung nichts Umwälzendes mehr, greift seine Aktion ins Leere.
– Ein messianisches Wunderreich gelingt nur mit Wundermenschen. Auf das Volk ist kein Verlass: schnell begeistert, schnell enttäuscht.
– Hätten die Römer unsere heiligen Schriften studiert, könnten sie uns leichter regieren. Stolz, Ehrsucht und Machtgier machen sie blind.
– Kreuzigen wir Jesus, lebt er als Märtyrer weiter. Bestimmt hat er dafür schon einiges vorbereitet.
Jesus hielt seinen Einzug in Jerusalem als eine Demo, in Bestätigung der Messias-Weissagung (39. Kapitel). Seine Gegner ließen ihn, wie bei der Tempelaustreibung gewähren.
In der Nacht unter Ausschluss des Volkes Jesus zu verurteilen, war zugleich ein Sieg über den Willen des Volkes (49. und 52. Kapitel).
Die Auferweckungsgeschichten (Abschnitt VI) schildern Jesus, der zu einem neuen Leben einlädt.
Zur Person: Dr. F. Haarhaus (Pfarrer i. R.) (86)
 
haarhaus1928 in Köln geboren, Vater, Atheist und Kommunist (kein Schlägerkappenkommunist), starb 1934. Ich fragte als Junge (12) einen auf der Straße, warum das Bombardieren und Töten an allen Fronten. Er blickte erst nach allen Seiten und sagte dann: “Bist du verrückt! Willst du mich ins KZ bringen! Lies die Bibel!” Ich las sie, aber kam nicht weit. Ein anderer, dem ich das erzählte, sagte mir: “Beginn bei den Evangelien!” – Eine neue Welt tat sich mir auf!! Ich stellte mir eine Leben Jesu-Synopse zusammen. Daran fühlte ich mich bei meinem Jesus-Buch erinnert. – Weitere für mich damals unbeantwortete Fragen meines Lebens: Mit 16 Jahren 3 mal zur Waffen-SS gemustert worden. Bei der Hilfsfeuerwehr Verletzte aus Trümmern geborgen. Am Westwall Panzergraben ausgehoben, 3 Meter tief, 5 Meter breit. Mit der Fronttruppe eingekesselt. Als ich meiner Mutter Koffer in den Luftschutzbunker trug, in einer Razzia der Waffen-SS und des HJ-Streifendienstes gegen Navajos und Edelweißpiraten (unschuldig) verhaftet. Mit aufgepflanzten Bajonetts zu einer Art Standgericht abgeführt. Mit einem Schweizer frei gekommen, weil ein Protokollant, mein früherer Klassenkamerad, ein Wort für mich einlegte. Die anderen, circa 700 Jugendliche, am nächsten Morgen 5:30 Uhr ab Westbahnhof, Venloer Straße, an die Front, Strafkompanie. Im Krieg ausgebombt. Alles verloren. – Nach dem Krieg mit 14/15-Jährigen in Bergisch Gladbach 18-jährig wieder zur Schule. Weil ich nichts mehr besaß, aus deren Bücher das Wichtigste abgeschrieben. Dadurch vieles schnell aufgeholt. Abitur. Theologie studiert. Schon ab dem 3. Semester Predigtvertretungen u. a. in der Gemeinde Overath (eine Flüchtlingsgemeinde). Drei Jahre scholarshipstudent des Weltkirchenrats in Kanada. Von der Kirchenleitung zu einem Studiengang an die Sozialakademie Dortmund geschickt. Bei Professor Wendland am Christlich-Gesellschaftswissenschaftlichen Institut der Uni Münster über Karl Marx doktoriert. Leiter des Jugendwerkes Saarland. 10 Jahre Pfarrer in Köln, 22 Jahre in Seelscheid.

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