Geschichte

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Notkirche in einer ehemaligen Werkschreinerei

50. Jahre evangelische Kirchengemeinde Lohmar
Zusammengestellt von Aliki Gnieser

Die evangelische Kirchengemeinde Lohmar feierte 2014 ihren 50. Geburtstag. Wir blicken auf die Anfänge zurück. Nach dem ersten Weltkrieg lebten nur wenige evangelische Familien in Lohmar. Sie wurden von dem Siegburger Pfarrer betreut, der alle vierzehn Tage Gottesdienst oder Bibelstunde im Bürgermeisteramt, später im Eisenbahner Erholungsheim, abhielt. Die Kinder gingen aus Kostengründen oft zu Fuß zum Konfirmandenunterricht nach Siegburg.

Ab 1945 kam ein gewaltiger Strom Heimatvertriebener überwiegend aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern, bald gelangten auch Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone, aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg in den Siegkreis, was zur Folge hatte, dass die evangelischen Gemeinden anwuchsen. So lebten 1950 – 2.087 Katholiken und 492 Protestanten in Lohmar, 1956 waren es schon 1.500 Evangelische, und 1961 war die Lohmarer Gemeinde auf 5.749 Katholiken und 2.259 Protestanten angewachsen. Ab 1949 gab es evangelische Gottesdienste in einem Kellerraum auf dem Werksgelände der Firma Fischer, ab 1951 in der „Notkirche“, einer Baracke, ebenfalls von der Firma Fischer. Seit dem 01.02.1947 hielt Pfarrdiakon Ewald Stein regelmäßig Gottesdienste in Lohmar und Birk.

Als sich die Zahl der Protestanten im Jahr 1956 auf 1.500 erhöht hatte, beschloss das Presbyterium in Siegburg, dem inzwischen auch zwei Lohmarer angehörten, in Lohmar eine Kirche und ein Gemeindezentrum zu bauen. Der Bauausschuss entschied sich für den Entwurf des Architekten Georg Rasch aus Köln, und bereits am 06.09.1959 erfolgte die Grundsteinlegung.

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Für Pastor Stein bedeutete die Grundsteinlegung für die Christuskirche die Erfüllung seiner langjährigen Bemühungen, der Gemeinde eine neue Heimat zu schaffen.

Am 12. Juni 1960 konnte der erste Gottesdienst in der Christuskirche gefeiert werden. Vier Jahre später wurde das Gemeindezentrum vollendet. In der Siegburger Presbyteriumssitzung am 01.02.1963 beschloss man, die Bezirke Lohmar, Birk und Altenrath als eigene Kirchengemeinde Lohmar auszugliedern. Das Seelscheider Presbyterium stimmte der Ausgliederung von insgesamt neun Ortschaften in die neu zu gründende Kirchengemeinde Lohmar zu.

Nach Genehmigung durch das Landeskirchenamt wurde die Evangelische Kirchengemeinde Lohmar mit Wirkung vom 01.01.1964 an selbstständig, blieb aber zunächst mit Siegburg-Kaldauen pfarramtlich verbunden. Man gründete einen Bevollmächtigtenausschuss, der Pfarrdiakon Stein in den Dienst der neuen Kirchengemeinde überführte und die ersten Ausschüsse bildete. Der Organist, die Küsterin und der Leiter des Chores, der aus dem von Frau Stein gegründeten Singkreis hervorgegangen war, wurden in ihren Ämtern bestätigt. Am 12. April 1964 fanden die ersten Presbyterwahlen statt.

Das Grundstück für die Zufahrt zur Kirche wurde erworben. Frau Heinrich wurde für die Verwaltungsarbeiten eingestellt. Ab 01.01.1965 arbeitete Frau Schäning mit 20 Wochenstunden im Gemeindebüro. Am 16. Januar 1965 erschütterte der plötzliche Tod des Pfarrdiakons Stein nach achtzehn Jahren Aufbauarbeit die Gemeinde. Die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle und die Loslösung von Siegburg-Kaldauen wurde in einer Sondersitzung des Presbyteriums beschlossen. Bis Pfarrer Rettig am 12.9.1965 in sein Amt eingeführt wurde, betreute Pfarrer Stähler aus Siegburg-Kaldauen die Gemeinde. Im August 1968 wurde die Friedenskirche in Birk eingeweiht. 1971 begann man in Lohmar nach Plänen des Architekten Zerfowski mit der Erweiterung des Pfarrhauses und dem Bau eines Kindergartens, der am 2. Mai 1972 eingeweiht wurde. Damit war der Bau des Lohmarer Gemeindezentrums mit Kirche, Pfarrhaus, Jugendheim und Büro abgeschlossen.

Pfarrer Rettig verließ Lohmar, und Pfarrer Joachim Diercks trat am 1. August 1972 seinen Dienst in Lohmar an. Nach der regen Bautätigkeit in Lohmar war nun Birk an der Reihe. Der Kindergarten konnte bereits am 21. März 1975 eröffnet werden, das Pfarrhaus wurde 1986 und das Gemeindezentrum 1988 fertig gestellt. Seit 1979 hatte Birk mit der „Berggemeinde“ eine eigene Pfarrstelle, die zunächst von Pfarrer Bartha und danach von Pfarrer von Weiß besetzt war. Ab 1994 war die Birker Gemeinde dann selbstständig. In Altenrath wurden keine weiteren Räumlichkeiten erworben. Zeitweise wurden die Altenrather Gemeindeglieder jedoch durch Pfarrer Schiemann, Pfarrer Staudt und Pastorin Brill-Pflümer betreut, die neben einer Reihe von Vikaren Pfarrer Diercks unterstützten.

Pfarrer Diercks mit seiner Familie

Pfarrer Diercks mit seiner Familie

Unter der Regie von Pfarrer Diercks, dem die weltweite Ökumene am Herzen lag, gab es Kontakte zum Ausländerkreis der evangelischen Studenten in Bonn und zu der französischsprachigen evangelischen Gemeinde Bonn- Bad Godesberg, Partnerschaften zu der evangelischreformierten Gemeinde in Frouard-Pompey, kurze Zeit zu der evangelischen Gemeinde in Brielow in der damaligen DDR und zu der evangelischen Gemeinde in Poprad in der Slowakei. Die Partnerschaft zu der Gemeinde in Frouard-Pompey in Frankreich war sehr intensiv und fand bedauerlicherweise aus Altersgründen bei den Kontaktpersonen nach gut 20 Jahren ein Ende. 1992 reiste eine erste Gruppe aus unserer Gemeinde nach Poprad, ein Gegenbesuch erfolgte 1993. Diese Partnerschaft besteht bis heute mit jährlich wechselseitigen Besuchen.

Auch andere Gemeindereisen wurden unternommen, so u. a. vier Israelreisen, zwei Burgundreisen und Reisen in den Osten „Auf Luthers Spuren“.

Mit dem Ökumenischen Gesprächskreis wurde Ökumene vor Ort gelebt. Seit Anfang der 90er Jahre nutzten die Mennoniten die Christuskirche, bis sie eigene Räumlichkeiten hatten. Ab 2007 hielt die katholische Gemeinde ihre Messen in unserer Kirche, während ihre Kirche renoviert wurde. Vertieft wurde die Beziehung zur katholischen Kirche durch die 2008 geschlossene Partnerschaftsvereinbarung und gemeinsame Gottesdienste.

Seit 1996 wurde statt eines Kindergottesdienstes ein Kinderbibelnachmittag am Samstag eingerichtet. Es gab eine Reihe Aktivitäten für Kinder und Jugendliche. Konfirmanden- und Jugendfreizeiten wurden angeboten, sehr beliebt waren die gemeinsam mit der Honrather Gemeinde veranstalteten Schwedenfreizeiten. Die Erwachsenen trafen sich im Kirchenchor, Bibelkreis und ökumenischen Gesprächskreis, speziell für die Frauen gab es seit vielen Jahren die Frauenhilfe. Der Frauentreff, entstanden aus einem Mutter- und Kindkreis, geleitet von Frau Diercks, traf sich einmal wöchentlich. Zusätzlich waren das Bibellesen in Gemeinschaft, der Männerstammtisch und das Mittagessen für Senioren im Angebot der Gemeinde. Einmal im Monat fand ein Feierabendmahl statt.

Ein neues modernes Gemeindezentrum wurde von Architekt Mylenbusch geplant, Grundsteinlegung war am 9. Juni 1991, Einweihung am 10. Mai 1992. Sehr stolz waren Pfarrer und Gemeinde auf die Photovoltaikanlage.

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Pfarrer Gottke

1996 ging Frau Schäning in den Ruhestand, ihr folgten im Gemeindebüro für fünf Jahre Frau Bode und danach Frau Wulf. Im August 1997 feierte die Gemeinde das 25-jährige Dienstjubiläum von Pfarrer Diercks, der leider bald danach schwer erkrankte, so dass Pfarrer Michael Busch für zweieinhalb Jahre zur Unterstützung nach Lohmar kam. Pfarrer Diercks entschied sich, zum 1. März 2000 in den Ruhestand zu gehen, er verstarb zum großen Bedauern der Gemeinde am 22. Mai 2001. Ihm folgte im April 2000 Peter Gottke als Gemeindepfarrer, der zehn Jahre in Lohmar blieb. Seine Frau gründete den noch heute bestehenden Literaturkreis. Die Leitung des Frauentreffs übernahm Frau Piehl. Der Posaunenchor entstand im Jahr 2000. Der Kindergarten wurde 2002 neu gestaltet, die Jugendräume bekamen ein freundliches Gesicht, der Konfirmandenunterricht wurde vom wöchentlichen auf Blockunterricht umgestellt. Das Kinder- und Jugendangebot, die Kinderkirche und die Sommerfreizeiten wurden gut angenommen. Der Männerkreis und „Männer kochen“ entstanden 2006. 50 Jahre Frauenhilfe wurde 2001 unter der Leitung von Frau Schäning und 50 Jahre Kirchenchor 2008 unter der Leitung von Ulrich Wyrwal gefeiert.

Die Partnerschaft zur katholischen Kirche vertiefte sich, und 2008 entstand die „Lohmarer Tafel“. Die evangelische Kirche passte sich der modernen Zeit an mit E-Mail-Adresse und Homepage. Ein ansprechender Gemeindebrief wurde viermal im Jahr herausgegeben.

Zum 31.01.2010 verließ Pfarrer Gottke überraschend die Gemeinde, so dass das Presbyterium eine Menge Aufgaben zu bewältigen hatte, insbesondere weil das 50. Kirchenjubiläum am 13. Juni gefeiert werden sollte.

Pfarrer Schulze

Pfarrer Schulze

Erst nach einem halben Jahr Vakanz bekam die Lohmarer Gemeinde wieder einen Pfarrer mit Jochen Schulze, der mit seiner Familie aus Solingen nach Lohmar zog. 2012 ging Frau Völkner nach 28 Jahren Tätigkeit im Gemeindebüro in den wohlverdienten Ruhestand, der Küster, Herr Ormann, feierte sein 20-jähriges Dienstjubiläum, der Kindergarten feierte seinen 40. Geburtstag, und die 20-jährige Partnerschaft mit der evangelischen Gemeinde in Poprad konnte im August mit den Besuchern gefeiert werden. Seit 2013 gibt es die Seniorengeburtstagsfeiern mit Pfarrer Schulze und Frau Schäning, die großen Zuspruch erfahren.

Beim Wandern durch die Geschichte der Gemeinde ist vielleicht der eine oder andere „Meilenstein“ übersehen worden, jeder Wanderer hat zudem seinen eigenen Blickwinkel.

50 Jahre sind eine lange Zeit, da vergisst man manches oder erinnert sich nur noch ungenau. Aber im Großen und Ganzen waren das 50 Jahre Lohmarer Kirchengemeinde!

Zusammengestellt von Aliki Gnieser

Fotos aus dem Kirchenarchiv und privat